Podiumsdiskussion

Sponsoring in der Schule am Beispiel „Calliope mini“ - Ist digitale Bildung nur so möglich?

 

Nicht erst die KMK-Strategie "Bildung in der digitalen Welt" mit den angekündigten Milliarden aus dem Bundeshaushalt und das Basiscurriculum Medienbildung im neuen Rahmenlehrplan unterlegen die Bedeutsamkeit und Ansprüche digitaler Bildung, zumindest auf institutioneller Ebene. In der Schulpraxis aber überwiegt immer noch Skepsis. Mit großem Zeitaufwand sind zahlreiche Papiere zu verfassen, aber hinsichtlich Medienkompetenz der Lehrkräfte, Ausstattung, IT-Wartung und konkreter Unterrichts-konzepte/-materialien ändert sich kaum etwas.

Oder doch? In Berlin werden im Rahmen eines neuen Projekts 2500 Mini-Computer „Calliope mini“ an Schulen verteilt. Gesponsert! Lehrkräfte erhalten eine Fortbildung zum zertifizierten „Roberta Teacher“. Ähnliche Projekte laufen bereits in anderen Bundesländern. Kinder und Jugendliche sollen die digitale Welt nicht nur als Konsumenten erleben, sondern selbst kreativ gestalten und damit besser verstehen. Handreichungen unter freier OER-Lizenz stehen zur Verfügung. Doch Achtung! Das Projekt wird von zahlreichen Unternehmen und Stiftungen unterstützt, darunter Google, SAP, Bosch, Telekom und Microsoft.

  • Gelingt die Digitalisierung der Schulen im langsamen und klammen deutschen Bildungssystem nur mit starken Partnern?
  • Verschaffen sich Unternehmen mit Schulsponsoring eine Monopolstellung auf dem deutschen Bildungsmarkt und greifen damit in den Lehrplan ein?
  • Fehlt es in Deutschland an einer „Spendenkultur“, in der es selbstverständlich ist, dass Unternehmen (digitale) Bildung ohne Gegenleistung, ohne Einfluss auf Inhalte, Schulen und Schüler/-innen fördern?
  • Ist eine Anschubfinanzierung, wie beim Calliope mini, nicht eine Mogelpackung, welche langfristige Kosten unberücksichtigt lässt?
  • Ist Programmierung ab der 3. Klasse überhaupt sinnvoll? Sollen die Kinder nicht besser Lesen, Schreiben und Rechnen lernen?

Über diese Fragen diskutieren:

Astrid Ehrenhauser, freie Journalistin (u. a. TAZ und Der Spiegel).


Sabine Frank
, Leiterin Regulierung, Verbraucher- und Jugendschutz Google Germany GmbH; Beiratsmitglied von klicksafe.


Fabian Kaske
, Campaigner bei LobbyControl (zuständig für Lobbyismus an Schulen).


Stephan Noller
, IT-Unternehmer, Mitgründer der Calliope gGmbH, Vizepräsident des Bundesverbands Digitale Wirtschaft (BVDW).


Ralf Punkenburg (angefragt)
, Fachaufsicht Mathematik und Informatik, Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie


Prof. Sebastian Schädler
, Professur für Gestaltungspädagogik, Schwerpunkt digitale Medien, Evangelische Hochschule Berlin; AG Medienbildung der Berliner GEW.